10.09.2020

Lampenfieber - Kleine Tricks helfen

Nervosität als Hirndoping.

Die Hände zittern, das Herz rast, der Schweiß steht auf der Stirn, der Mund ist trocken, ein Kloß steckt im Hals. Wir alle kennen diese lästigen Gefühle vor schwierigen Situationen.
Lampenfieber setzt das Stresshormon Adrenalin frei. Körperkraft, Herzminutenvolumen und Atemfrequenz werden erhöht. Dabei ist die Aufregung eigentlich sehr hilfreich. In der richtigen Dosis macht Adrenalin blitzschnell hellwach, konzentriert und handlungsfähig.


Nervosität souverän meistern Quelle: LightFieldStudios

Der Ursprung liegt bei unseren Vorfahren, den Neandertalern. Die aufmerksame Beobachtung ihrer Umgebung und Bewertung der Situation entschied über Leben und Tod. Ein Raubtier kommt ins Blickfeld, in Sekundenbruchteilen erfolgt eine Bewertung: „fight or flight“. Ein vom US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon geprägter Begriff.

Kampf oder Flucht?

Für beides wird ganz schnell sehr viel Energie benötigt. Es geht ums nackte Überleben.

Jeffrey Alan Gray, britischer Psychologe, hat diese Sequenz 1988 noch erweitert, „freeze“. Bewegungslosigkeit, Erstarren, sich tot stellen in der Hoffnung, vom Raubtier übersehen zu werden.
 
Die Präsentation vor dem Chef und den Kollegen steht an. Es geht ums nackte Überleben. Oder nicht? Flüchten, kämpfen, sich tot stellen? In dieser Situation nicht sehr hilfreich. Der Impuls ist noch da, aber die Ursache ist heute eine andere.

Lampenfieber ist Bewertungsstress.

Wie bewerten andere, der Chef, die Kollegen oder die Kunden unsere Leistung?

Wir streben nach Perfektion.
Viele Menschen neigen dazu, den Anspruch an sich selbst sehr hochzuschrauben. Wie unsere Leistung von anderen bewertet wird, liegt nicht gänzlich in unserem Einflussbereich. Wir können aber etwas tun, um mit uns selbst zufrieden zu sein.

Wo liegen Ihre Stärken? Was können Sie besonders gut? Vertrauen Sie Ihren Fähigkeiten. Wie bei vielem anderen auch, liegt die Lösung im ständigen Üben. Sammeln Sie Erfahrungen, je mehr Auftritte, Gespräche, Interviews und Präsentationen Sie gehalten haben, desto mehr stärken Sie Ihre Sicherheit und Ihr Selbstbewusstsein.

Drehen Sie die Bewertungssituation um und überprüfen Sie Ihre Leistung.

Selbstbewusst auftreten heißt, sich selbst bewusst sein, sich selbst reflektieren.

Was ist Ihr Ziel bei der Präsentation? Was soll bei den anderen hängen bleiben? Was muss passieren, damit Sie zufrieden sind?

Genauso selbstverständlich, wie in der Vorbereitungsphase Präsentationsinhalte zusammengetragen und der Ablauf des Auftritts ausgearbeitet wird, lassen Sie konkrete Übungen einfließen. Nutzen Sie die Vorbereitungsphase Ihres Auftritts für Übungen mit den richtigen Techniken gegen Nervosität. Mit jeder weiteren Übungseinheit werden Sie immer sicherer und souveräner.

Mit ein paar praktischen Übungen lässt sich Lampenfieber bekämpfen.

Entspannen Sie Ihren Körper.
Recken und strecken Sie sich. Heben und senken Sie die Schulterpartie. Schwingen Sie die Arme locker neben dem Körper vor und zurück. Bewegen Sie die Kiefernmuskeln: Mund auf, schieben Sie das Kinn erst nach rechts, dann nach links.
Atmen Sie drei Mal tief und langsam durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus.
Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und federn Sie sanft auf und ab.
Spannen Sie die gesamte Muskulatur für 10 Sekunden kräftig an und entspannen wieder und wiederholen das drei Mal.

Entspannen Sie Ihren Geist.
Stellen Sie negativen Gefühlen positive entgegen: „Ich schaffe das nicht.“ – „Ich habe mich sehr gut vorbereitet.“
Erinnern Sie sich an etwas Schönes, das Sie erlebt haben. An den letzten Urlaub, ein besonders befriedigendes Erlebnis, an einen Menschen, den Sie besonders mögen.

Diese Übungen lassen sich auch gut kurz vor einem Auftritt ausführen.
Und gegen ein Kratzen im Hals hilft ein Schluck lauwarmes kohlensäurefreies Wasser.

Lassen Sie Lampenfieber zu, es ist im Grunde etwas Positives, denn es hilft Ihnen, sich besonders gut vorzubereiten. Was vielen nicht bewusst ist: Meistens nehmen die Zuhörer Ihr Lampenfieber gar nicht wahr.


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